Das Gründerökosystem als regionale Zukunftsperspektive

Osna­brück. Wenn ich ein Start­up grün­den oder in eins inves­tie­ren möch­te, gehe ich am bes­ten nach Ber­lin, rich­tig? Falsch! Lauscht man Gesprä­chen über die Grün­der­sze­ne, kann man schnell zu der Auf­fas­sung gelan­gen, Ber­lin sei deutsch­land­weit die ein­zig nen­nens­wer­te Stadt. Zuge­ge­ben — Ber­lin hat es als ein­zi­ge deut­sche Stadt in den Glo­bal Start­up Eco­sys­tem Report geschafft. Und das sogar unter die bes­ten zehn Stand­or­te (Platz 7). Den­noch hat sich in den ver­gan­gen­gen Jah­ren in vie­len Regio­nen Deutsch­lands eine dyna­mi­sche Start­up- und Grün­der­sze­ne ent­wi­ckelt.

Welche Rolle spielt das Gründerökosystem?

Der Grün­dungs­ort und damit das Umfeld haben einen grö­ße­ren Ein­fluss, als man viel­leicht ver­mu­ten wür­de. Gründer*innen brau­chen ein pas­sen­des Umfeld, um sich ent­fal­ten und erfolg­reich ein Unter­neh­men auf­bau­en zu kön­nen. Jedes ein­zel­ne Öko­sys­tem ist dabei anders und bie­tet eige­ne Stär­ken und Schwä­chen. Es bringt also nichts, ein­fach einen ande­ren Stand­ort kopie­ren zu wol­len. Viel­mehr müs­sen sich alle betei­lig­ten Akteu­re fra­gen, wel­che Fak­to­ren eine Regi­on für die Grün­dung neu­er Unter­neh­men attrak­tiv machen könn­ten. Wie ist das regio­na­le Öko­sys­tem beschaf­fen?

Gera­de in einem roh­stoff­ar­men Land wie Deutsch­land sind wir auf inno­va­ti­ve Geschäfts­mo­del­le ange­wie­sen. Nur so kön­nen wir Wohl­stand und Lebens­qua­li­tät sichern und aus­bau­en. Ver­än­der­te Rah­men­be­din­gun­gen müs­sen von Unter­neh­men in einem wett­be­werbs­ge­trie­be­nen Wirt­schafts­sys­tem früh­zei­tig erkannt und umge­setzt wer­den, wenn sie erfolg­reich am Markt bestehen wol­len. Die Situa­ti­on ist ver­gleich­bar mit einer Auto­fahrt im Nebel mit nur 50m Sicht­wei­te. Sie kön­nen die Stra­ße nicht sehen, müs­sen jedoch so schnell wie mög­lich auf jede mög­li­che, unvor­her­seh­ba­re Situa­ti­on reagie­ren kön­nen. Bes­ser ist es, sich von die­sen Ver­än­de­run­gen nicht trei­ben zu las­sen, son­dern sie statt­des­sen aktiv mit­zu­ge­stal­ten, indem man erfolgs­ver­spre­chen­de Grün­dungs­stand­or­te ent­wi­ckelt.

Was versteht man unter einem Gründerökosystem?

Ver­sucht man das deut­sche Grün­dungs­ge­sche­hen zu ana­ly­sie­ren fällt auf, dass es an einem gemein­sa­men Ver­ständ­nis davon fehlt, was man sich gene­rell unter einem Grün­der­öko­sys­tem vor­stel­len kann. Das RKW Kom­pe­tenz­zen­trum hat die­sen Miss­stand bemerkt und daher ein Modell ent­wi­ckelt, das die Ele­men­te eines Grün­der­öko­sys­tems sowie des­sen Wech­sel­wir­kun­gen auf intui­tiv ver­ständ­li­che Wei­se erklärt. Das Grün­der­öko­sys­tem wird hier ver­stan­den als “ein Mix aus ver­netz­ten Insti­tu­tio­nen mit dem Ziel, den Grün­der durch alle Sta­di­en der Grün­dung eines Unter­neh­mens zu unter­stüt­zen. Es kann als Ser­vice­netz­werk ver­stan­den wer­den, bei dem der Unter­neh­mer und der Grün­der im Zen­trum der Betrach­tung steht und die Maß­ein­heit des Erfolgs ist” (RKW Kome­pe­tenz­zen­trum 2015: 12f.).

Die Bauteile des Gründerökosystems kurz erklärt

Die Inter­ak­ti­on zwi­schen den betei­lig­ten Akteu­ren ist durch geo­gra­phi­sche Nähe gekenn­zeich­net. Das Zen­trum des Modells bil­det die Grün­der­sze­ne, die die Unternehmer*innen und deren Bezie­hun­gen zu Poli­tik, Wirt­schaft und rele­van­ten Aus­bil­dungs­ein­rich­tun­gen umfasst. In die­sen Netz­wer­ken herrscht ein dyna­mi­sches “Geben und Neh­men”, durch das ein sich selbst ver­stär­ken­der Kreis­lauf ent­steht.

Im Kon­text Grün­der­öko­sys­tem hat Inspi­ra­ti­on eine zwei­fa­che Bedeu­tung. Zum einen regen erfolg­rei­che Gründer*innen zur Nach­ah­mung an, indem sie ande­re mit ihren Erfolgs­ge­schich­ten moti­vie­ren. Zum ande­ren geht es um inno­va­ti­ve Ideen und Geschäfts­mo­del­le.

Schu­len, Fach­hoch­schu­len und Uni­ver­si­tä­ten ver­sor­gen das Grün­der­öko­sys­tem mit neu­en Talen­ten, Kom­pe­ten­zen und Ideen.

Talen­te und hoch­qua­li­fi­zier­te Mitarbeiter*innen wer­den durch Unter­neh­men ange­zo­gen und erler­nen dort tech­no­lo­gi­sche Kom­pe­ten­zen und Manage­ment­fä­hig­kei­ten. Des Wei­te­ren kön­nen die Mitarbeiter*innen in regio­na­len Unter­neh­men als wich­ti­ge Quel­le poten­zi­el­ler Gründer*innen ange­se­hen wer­den. Deren Qua­li­tät und Anzahl wird durch die Aus­bil­dungs­pro­gram­me regio­na­ler Bil­dungs­ein­rich­tun­gen sowie durch die ansäs­si­gen Unter­neh­men bedingt.

Grün­der­öko­sys­te­me grei­fen Trends auf oder set­zen selbst neue Trends. Zen­tra­les Ele­ment ist dabei die Offen­heit der regio­na­len Wirt­schaft und Grün­der­sze­ne gegen­über neu­en Ideen und Tech­no­lo­gien (von außen).

Grün­dungs­ak­ti­vi­tä­ten kön­nen erleich­tert wer­den, indem die Poli­tik z.B. Zeit- und Kos­ten­auf­wand durch ent­spre­chen­de Rah­men­be­din­gun­gen mini­miert. Dies könn­te in Form von einer Eta­blie­rung einer Entre­pre­neurs­hip-ori­en­tier­ten Aus­bil­dung an Schu­len und Uni­ver­si­tä­ten, durch die Bereit­stel­lung öffent­li­cher För­der­mit­tel oder durch Inves­ti­tio­nen in For­schung und die Ent­wick­lung gesche­hen.

Eine Anhäu­fung von Orga­ni­sa­tio­nen und Unter­neh­men aus der glei­chen Bran­che bezeich­net man auch als “Bran­chen­clus­ter”. Ein sol­ches Clus­ter erleich­tert Gründer*innen und Star­tups den Markt­zu­gang und den Zugriff auf spe­zia­li­sier­tes Know-How. Auf die­se Wei­se ist es auch ein­fa­cher Geschäfts­kun­den zu fin­den, die sich als poten­zi­el­le Käu­fer von Dienst­leis­tun­gen und Pro­duk­ten eig­nen.

Die Bedürf­nis­se und Wün­sche der Kun­den sind es auch, die über den (Miss-)Erfolg einer Dienst­leis­tung oder eines Pro­duk­tes ent­schei­den. Die Nach­fra­ge setzt sich unter ande­rem aus der Wett­be­werbs­si­tua­ti­on, dem Markt­vo­lu­men und gege­be­nen­falls Ein­tritts­bar­rie­ren zusam­men. Auch die Anzahl poten­zi­el­ler End­kun­den (B2C) und regio­na­ler Bran­chen und Unter­neh­men (B2B) haben einen Ein­fluss.

Pri­vat­per­so­nen, die als poten­zi­el­le Käufer*innen von Dienst­leis­tun­gen oder Pro­duk­ten gel­ten, bezeich­net man als End­kun­den oder Verbraucher*innen. Die regio­na­le Kom­po­nen­te des Mark­tes hat eine unter­schied­lich gro­ße Bedeu­tung, je nach­dem, ob ein Unter­neh­men ein phy­si­sches Pro­dukt wie Lebens­mit­tel oder eine digi­ta­le Dienst­leis­tung wie eine App anbie­tet.

Gründer*innen benö­ti­gen im Lau­fe des Auf­baus ihres Geschäfts­mo­dells Unter­stüt­zung von einer gro­ßen Band­brei­te von Akteu­ren wie Tech­no­lo­gie- und Wissenschaftsexpert*innen, Finanz- und Unternehmensberater*innen oder Patentanwält*innen. Eine gut funk­tio­nie­ren­de Infra­struk­tur spielt eben­falls eine gro­ße Rol­le. Damit sind neben einer guten Ver­kehrs­an­bin­dung auch pas­sen­de Büro- und Gewer­be­flä­chen sowie eine aus­rei­chen­de Breit­band­ka­pa­zi­tät für die Inter­net-Kom­mu­ni­ka­ti­on gemeint.

Das Gründerökosystem als regionale Zukunftsperspektive

Es kann also fest­ge­stellt wer­den, dass unser Blick nicht immer in die Fer­ne gerich­tet sein darf. Ansons­ten ver­passt man, was direkt unter der eige­nen Nase geschieht. In Deutsch­land gibt es vie­le Regio­nen, die ein frucht­ba­res Umfeld für erfolg­rei­che Grün­dun­gen bie­ten. Und es gibt vie­le Akteu­re, die sich betei­li­gen und an den ver­schie­de­nen Stell­schrau­ben dre­hen kön­nen und müs­sen. Es gilt die Eigen­hei­ten und Vor­tei­le unse­res Umfelds zu erken­nen und uns die­se zunut­ze zu machen!

 

Refe­ren­zen:

RKW Kom­pe­tenz­zen­trum (2015): Grün­der­öko­sys­te­me. Die Zukunft für Regio­nen. In: Treff­punkt: Grün­der­öko­sys­tem. Zwei Geschich­ten — eine Mis­si­on, RKW Maga­zin (3), S. 9–13

Bild­quel­le: RKW Kom­pe­tenz­zen­trum, www.gründerökosystem.de, 2015

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