Der Lebenszyklus eines Startup-Ökosystems

Osnabrück. Unternehmensgründungen gelten als wesentlicher Impulsgeber für Wirtschaftswachstum und Innovation. Erfreulicherweise zeigt sich, dass erfolgreiche Startups nicht mehr nur aus wenigen Regionen innerhalb der USA stammen. Auch in Deutschland bieten einige Regionen ein gutes Gründerökosystem, also ein dynamisches Umfeld für neue Unternehmen.

Diese Gründerökosysteme (auch Startup-Ecosystems) sind durch einen charakteristischen Entwicklungs- bzw. Lebenszyklus geprägt. Der idealtypische Verlauf, der bei einer Vielzahl von Gründerökosystemen beobachtet werden konnte, umfasst vier Phasen: Aufstieg, Aktivierung, Integration und Reife (vgl. COMPASS 2015).

Aufstieg

Die erste Phase im Lebenszyklus eines Gründerökosystems ist die Aufstiegsphase. Zu diesem Zeitpunkt findet die Entwicklung eines regionalen Bewusstseins für die Akteure, Elemente und Ressourcen des Ökosystems statt. Die Etappe wird vor allem durch folgende Fragen gekennzeichnet: Über welche Potenziale verfügt das System? Gibt es Programme für Gründer*innen? Wie sieht die Organisation des Zusammenspiels der Akteure aus?

Zu Beginn kennzeichnet langsames organisches Wachstum das Gründerökosystem. Die Ressourcen für die Entwicklung wie Kapital, Räumlichkeiten und Know-how werden aus der Region selbst bezogen und sind daher limitiert. Eine beharrliche und visionäre Gemeinschaft an Gründer*innen gelten als wesentlicher Erfolgsfaktor, um trotz mangelnder Unterstützung erfolgreiche technologieorientierte Startups am Markt etablieren zu können. Events wie Meetups, Startup-Weekends und Konferenzen bieten gute Gelegenheiten für Gründer*innen sich zu vernetzen und eine Gründerszene aufzubauen. Regionale Beispiele hierfür wären die von Netrocks mitinitierte „innovate!“ oder die „Hinterland of Things“ in Bielefeld.

Aktivierung

In der Aktivierungsphase spielt vor allem die zunehmende Vernetzung der regionalen Stakeholder eine große Rolle. Neben der Institutionalisierung der Kernkomponenten eines Startup-Ökosystems ist auch der Verbindungsaufbau zu weiteren führenden Gründerökosystemen von Bedeutung. Auf diese Weise kann der (inter)nationale Austausch gestärkt werden. Auch in dieser Phase stammen die Ressourcen wie Kapital, Räumlichkeiten und Know-How aus der Region selbst. Aufgrund dieser Hemmnisse erfolgt das Wachstum in der Aktivierungsphase nicht so schnell wie in der nachfolgenden Phase des Entwicklungszyklus – der Integrationsphase.

Integration

Großvolumige Exits prägen die Integrationsphase eines Startup-Ökosystems. Durch diese Erfolgsgeschichten werden regionale, nationale oder auch internationale Akteure und Ressourcen angezogen. Je nach Reichweite der „Gravitationskraft“ kann man die Integrationsphase in zwei verschiedene Subphasen unterteilen: erstens eine „regionale und nationale Integrationsphase“ und zweitens in eine „internationale Integrationsphase“.

Regionale und nationale Integrationsphase

Mehrere kleine oder mittelgroße Exits (100 bis 500 Millionen Euro) definieren den Übergang von der Aktivierungsphase in die Integrationsphase eines Startup-Ökosystems. Dadurch wird auf nationaler Ebene öffentliche Aufmerksamkeit generiert. Das Wachstum in dieser Phase beruht nicht mehr allein auf regionalen Ressourcen. Die Anziehungskraft sorgt dafür, dass auch Kapital und Talente aus anderen Regionen in den Ressourcenpool einfließen. Die Standortverlagerung von Startups und die Etablierung von Zweigstellen von Venture-Capital-Gesellschaften bezeichnen diesen Prozess der Anziehung.

Internationale Integrationsphase

Sobald die Evaluierungsschwelle von einer Milliarde Dollar bei Startups überschritten ist, spricht man von einem „unicorn“. Eine Reihe von Exits dieser sogenannten „unicorns“ gelten als wesentlicher Treiber von der regionalen und nationalen Integrationsphase hin zur internationalen Integrationsphase eines Gründerökosystems. Die Phase der internationalen Integration bringt eine neue Wachstumsqualität mit sich.

Reife

Aus einer der beiden beschriebenen Integrationsphasen entwickelt sich das Gründerökosystem hin zur Reifephase. Daher kann auch hier zwischen einer nationalen und internationalen Reifephase unterschieden werden. Mit dem Eintritt in diese Phase hat das Ökosystem mittlerweile eine Größe erreicht, die durch organisches Wachstum allein nicht möglich gewesen wäre. Durch den Zufluss an Ressourcen herrscht ein Gleichgewicht hinsichtlich der wichtigsten Faktoren, Akteure und Institutionen. Allerdings bedeutet die Balance auch, dass die relativen Wachstumsraten zwangsläufig abnehmen. Zwischen der Wachstumsgeschwindigkeit und dem Alter eines Startup-Ökosystems besteht eine eindeutige Beziehung.

Schnelligkeit ist gefragt

Startups sind der wichtigste Motor für eine dynamische regionalwirtschaftliche Entwicklung. Doch Schnelligkeit ist gefragt! Aufgrund der Konkurrenzsituation um die Ressourcen wird die Hürde für den Übergang von der Aktivierungsphase in die Integrationsphase immer größer, je mehr entwickelte Startup-Ökosysteme in einer Region oder in einem Land vorhanden sind.

 

Referenzen

COMPASS (2015): Waterloo. Startup Ecosystem Report. The David vs. Goliath of Startup Ecosystems. Abgerufen von https://blog.startupgenome.com/waterloo-the-david-vs-goliath-of-startup-ecosystems/ [16.02.2018]

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