Rückblick — Netrocks auf der re:publica 2018!

Der Digi­ta­le Wan­del ist inzwi­schen all­ge­gen­wär­tig. Wir spü­ren ihre Anwe­sen­heit an jedem Tag. Sie bringt sowohl Chan­cen als auch Risi­ken mit sich, for­dert uns her­aus und erschreckt uns bis­wei­len. Die­sen man­nig­fal­ti­gen Cha­rak­ter fei­er­ten und dis­ku­tier­ten wir vom 2. bis 4. Mai auf der re:publica 2018 in Ber­lin. Auch wir von Netrocks haben uns das natür­lich nicht ent­ge­hen las­sen!

Milena Jäger für Netrocks auf der re:publica 2018
Mile­na Jäger für Netrocks auf der re:publica 2018

Was ist die re:publica?

Die re:publica ist eine inter­na­tio­na­le Netz­kon­fe­renz, die aktu­el­le und wich­ti­ge The­men der digi­ta­len Gesell­schaft auf­ar­bei­tet. Dabei gibt es auf rund 20 Sta­ges Pro­gramm mit Talks, Key­notes, Meetups und vie­lem mehr. Inter­na­tio­na­le Fach­leu­te aus den ver­schie­dens­ten Berei­chen berich­ten von ihren For­schungs­er­geb­nis­sen, ihren Mei­nun­gen und ihren Erfah­run­gen. Dabei bekommt man als Besu­cher vor allem eines: Eine gro­ße Men­ge neu­er Denk­an­stö­ße.

Die dies­jäh­ri­ge re:publica stand unter dem Mot­to “POP!” – einem Auf­ruf, die Fil­ter­bla­sen plat­zen zu las­sen und Netz­kul­tur und Poli­tik greif­bar für alle zu machen.

re:publica 2018 pop logo
Das Mot­to der re:publica 2018: POP

Worum ging es so auf der re:publica 2018?

Durch die vie­len ver­schie­de­nen Talks auf der re:publica 2018 zog sich vor allem der Begriff des „Algo­rith­mus“. Schon in der Ope­ning Key­note sprach die US-ame­ri­ka­ni­sche Medi­en­wis­sen­schaft­le­rin Danah Boyd über die Pro­ble­ma­ti­ken von Algo­rith­men, die anhand von Nut­zer­ver­hal­ten ihr Ergeb­nis lie­fern. Denn, wenn die Nut­zer sich vor­ein­ge­nom­men ver­hal­ten, lie­fert logi­scher­wei­se auch der Algo­rith­mus vor­ein­ge­nom­me­ne Ergeb­nis­se. Ein Bei­spiel gefäl­lig? Wenn man den Begriff „Baby“ ein­gibt, fin­det man auf Goog­le-Bil­der­su­che vor allem hübsch ange­zo­ge­ne Babys mit wei­ßer Haut. Die Mehr­zahl der Nut­zer ver­wen­det die­se Bil­der und das merkt sich der Algo­rith­mus. Wenn die­ser Such­be­griff das nächs­te Mal ein­ge­ge­ben wird, zeigt er dar­um vor allem wei­ße Babys an. Boyd warn­te davor, dass die­se Ana­ly­se von Nut­zer­ver­hal­ten natür­lich auch aus­ge­nutzt wer­den kann (und wird), sei es von Men­schen, die eine poli­ti­sche Ein­stel­lung groß machen wol­len, oder natür­lich auch zu Wer­be­zwe­cken. Das ist eines die­ser typi­schen The­men, die völ­lig logisch erschei­nen, wenn man sie so erklärt bekommt, über die man aber von sel­ber noch nie so rich­tig nach­ge­dacht hat.

Sollten sich Entwickler, ähnlich wie Ärzte, an einen ethischen Kodex halten?

Whist­leb­lo­we­rin Chel­sea Man­ning ging auf das The­ma der Ver­ant­wor­tung von Ent­wick­lern beim Umgang mit per­sön­li­chen Daten und beim Coden von Soft­ware ein. Sie warf die Idee in den Raum, dass auch Ent­wick­ler sich an eine Art ethi­schen Kodex hal­ten soll­ten, ähn­lich wie Ärz­te es tun. In spä­te­ren Paneln wur­de die­se Idee noch heiß dis­ku­tiert und bekam sowohl Zuspruch, als auch eini­ges an Kri­tik.

Vor allem wur­de aber eines klar: Ein Algo­rith­mus darf kei­ne Black­box sein. Wenn man sich auf die Ent­schei­dun­gen von Algo­rith­men ver­lässt, dann muss man klar nach­voll­zie­hen kön­nen, wie die­ses Ergeb­nis zu Stan­de gekom­men ist. Ganz beson­ders, wenn es um das Schick­sal von Men­schen geht. So ist es zum Bei­spiel in der ame­ri­ka­ni­schen Recht­spre­chung, wo schon heu­te Algo­rith­men zum Ein­satz kom­men um zu berech­nen, ob jemand erneut straf­fäl­lig wer­den könn­te.

Panel auf der re:publica 2018
Panel auf der re:publica 2018

Ganz beson­ders tief getrof­fen, hat der Vor­trag von dem Jour­na­lis­ten Richard Gut­jahr. Nach sei­ner Bericht­erstat­tung zu je einem Anschlag in Niz­za und Mün­chen, war über ihn und sei­ne Fami­lie ein „Shit-Tsu­na­mi“ her­ein­ge­bro­chen, gegen den er sich kaum weh­ren konn­te. Er sprach davon, was die vie­len Hass-Kom­men­ta­re und die Het­ze mit ihm und sei­ner Fami­lie gemacht haben, wie hilf­los er sich fühl­te und was er schluss­end­lich getan hat, um sich zu weh­ren. Am Ende des Vor­trags erhob sich das Publi­kum respekt­voll und vie­le waren zu Trä­nen gerührt. Das war wirk­lich extrem anrüh­rend und emo­tio­nal und auf jeden Fall etwas, das man erst mal einen Moment ver­ar­bei­ten muss­te.

Mehr als nur Vorträge

Neben dem klas­si­schen Pro­gramm der re:publica, gab es auch eini­ges außer­halb der Sta­ges zu ent­de­cken. Beson­ders inter­es­sant war dabei ein Pro­jekt vom WDR: Ber­lin Paris Ter­ror. Dabei konn­te man zehn­mi­nü­ti­ge Repor­ta­gen zu den Ter­ror­an­schlä­gen auf den Ber­li­ner Weih­nachts­markt und einen jüdi­schen Super­markt in Paris erle­ben und das kom­plett in VR. Defi­ni­tiv eine sehr ein­drucks­vol­le und berüh­ren­de Art der Erzäh­lung, indem man die Ereig­nis­se aus der Per­spek­ti­ve der Men­schen vor Ort mit­er­lebt.

Die re:publica ist ein ganz beson­de­res Fes­ti­val. Hier tref­fen Men­schen auf­ein­an­der, die halb in der rea­len und halb in der digi­ta­len Welt leben. Auch auf Twit­ter trifft sich ein gro­ßer Teil der Besu­cher. Hier tauscht man sich live über die Pro­gramm­punk­te aus, teilt Fotos von inter­es­san­ten Orten und genießt das Gemein­schafts­ge­fühl. Man hat das Gefühl in einer ande­ren, fort­schritt­li­che­ren und jun­gen Welt zu sein, sobald man das Ver­an­stal­tungs­ge­län­de betritt. Das und die vie­len Denk­an­stö­ße, die man dort bekommt, machen die re:publica zu einem ganz beson­de­ren High­light des Jah­res.

re:publica 2018 frozen yoghurt
So viel Nach­den­ken macht hung­rig! Fro­zen Yoghurt als klei­ne Stär­kung zwi­schen­durch
Autorin: Mile­na Jäger

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