Rückblick auf den Global Food Summit 2019

Eiweiß ohne Hühner, Steaks aus der Petrischale oder Steaks, die zwar so aussehen, aber nicht aus Fleisch bestehen – Am 20. und 21. März fand der dritte deutsche Global Food Summit statt. Und wir waren mit dabei!

Die Charakteristika der Region Osnabrück sowie unsere foodsupply-Ausgründung im letzten Jahr haben uns bekräftigt in Zukunft eine stärkere Ausrichtung auf die Bereiche Food, Agrar und Nachhal­tigkeit zu verfolgen. Insofern war der Global Food Summit 2019 eine tolle Gelegenheit noch tiefer in die Thematik einzusteigen.

Das Thema der diesjährigen Konferenz lautete: “Foodtropolis – Verändern Städte unsere Wahrnehmung von Essen und Natur?“. In diesem Rahmen stellen insgesamt 27 Redner aus China, Kanada, Bangladesch, den Niederlanden, USA und Deutschland ihre Forschungen, ihre Projekte und Ideen vor. Die zuvor in Berlin beheimatete Konferenz fand auf Einladung der Bayrischen Staatsregierung, vertreten durch das Cluster Ernährung Bayern, zum ersten Mal in München statt. Das Cluster bietet eine Plattform für die regionale Vernetzung verschiedener Akteure aus dem Landwirtschaftsbereich.

Das Startup Noyanum möchte unter Einsatz Künstlicher Intelligenz helfen,  die Lebensmittelverschwendung in Kantinen und Restaurants zu reduzieren

Die Landwirtschaft der Zukunft und die Nahrungsmittel-Produktion im urbanen Lebensraum

Clean Meat, Aquakulturen, vertikale Landwirtschaft, Insektenzucht und Fleischersatz – Was für viele nach Weltraum-Essen und Science Fiction klingt, ist heute schon gelebte Realität. Die Insekten-Burger des Osnabrücker Startups Bugfoundation findet man bereits im Einzelhandel. Die Burger sind ein gutes Beispiel für die radikalen Veränderungen in der Nahrungsmittelproduktion, die bereits stattgefunden haben und die uns in Zukunft noch stärker betreffen werden.

Die neuen, „Urban Farmers“, der Stadt-Fischer oder „Urban Livestock-Breeders“ kommen aus der Biotechnologie, aus IT-Firmen oder direkt aus den Universitäten.Begriffe, die fest mit der Landwirtschaft und Natur verankerte Konstanten waren, wie Bodenqualität, Licht, Wasser, Düngemittel oder Nachhaltigkeit erfahren durch Urban Farming und Urban Livestock neue Dimensionen.

Der erste Konferenztag am 20. März 2019

Vor rund 250 internationalen Teilnehmern hielt die Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Michaela Kaniber, die Eröffnungsrede und stellte dar, wie wichtig das Thema Lebensmittelproduktion für Bayern ist. Stadt und Land seien dabei gleichermaßen gefordert. „Die technischen, kulturellen und rechtlichen Herausforderungen dieser Thematik sind so komplex, dass sie von keinem einzelnen Unternehmen, aber auch nicht von einem Staat alleine bewältigt werden können:“

Vorträge von Mariam bint Mohammed Saeed Hareb Al Mehairi – VAE Ministerin für Nahrungsmittelsicherheit und Máximo Torero – Stellvertretender Generaldirektor der Abteilung für wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Food and Agriculture Organisation

Global Food Summit 2019
Ihre Exzellenz Mariam Al Mehairi bei ihrem Vortrag zum Thema „Foodsecurity“

Ihre Exzellenz Mariam Al Mehairi, Ministerin für Nahrungssicherheit aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), gab in ihrer Rede Einblicke in Nahrungsmittelsicherheit und die Nahrungsmittelstrategie der Emirate. Nahrungsmittelsicherheit bedeutet für sie, allen Bürgern ein gesundes Leben und auch in Krisenzeiten Zugang zu erschwinglichen Lebensmitteln zu ermöglichen. Dies sei gerade in den Vereinigten Arabischen Emiraten ein wichtiger Punkt, da derzeit 90 Prozent der landwirtschaftlichen Erzeugnisse importiert werden müssen. Für die Zukunft ist geplant, eine technologiegestützte Lebensmittelproduktion einzuführen und weiterzuentwickeln, den Handel im Agrarsektor zu erleichtern, Nahrungsmittelverluste zu reduzieren und sowie Lebensmittelsicherheit zu verbessern.

Máximo Torero, stellte in seiner Rede die Notwendigkeit heraus, bestehende Ernährungslücken in der Welt zu identifizieren und zu schließen. Sichere, gesunde und erschwingliche Lebensmittel in den Städten sind für ihn essentiell. Die Urbanisierung stellt eine besondere Herausforderung für die Gesundheit und Ernährung der Bevölkerung dar, da auch in den Entwicklungsländern immer mehr Menschen in die Städte ziehen würden. Der stellvertretende Generaldirektor der Abteilung für wirtschaftliche und soziale Entwicklung der FAO vertritt die Prognose, dass bis 2050 ca. zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben werden.

Laut Torero werden auch in den Entwicklungsländern immer mehr Menschen in die Städte ziehen.
Laut Torero werden auch in den Entwicklungsländern immer mehr Menschen in die Städte ziehen.

Um die damit verbundenen Herausforderungen bewältigen zu können, brauchen wir laut Torero innovative und vor allem integrative digitale Technologien. Soziale, ökonomische und umwelttechnische Faktoren müssten zusammen betrachtet werden, wenn man Ungleichheit und Monopole verhindern möchte.

Start-up Speed Dating und Publikumsaward

Im Vorfeld des Global Food Summits gab es einen „Call for Start-ups“, auf den sich 26 junge Unternehmen mit disruptiven Ansätzen in den Bereichen „Vertical Farming“, „Circular Systems“, „Plant and Animal Data Analytics“, „Biotech“, „Packaging“ oder „New Farm to Consumer“-Marktplätzen für die Konferenz beworben hatten. Das Global Food Summit Kuratorium hat daraus insgesamt fünf Start-ups ausgewählt, die auf der Konferenz pitchen durften.

Jedes der Start-ups hatte drei Minuten Zeit, seine Idee oder sein Produkt vorzustellen und danach weitere drei Minuten, um die Fragen der Konferenzteilnehmer*innen zu beantworten. Am Ende entschied das Publikum, wer gewinnt.

Das israelische Start-up "Redefine Meat" gewann den Publikumspreis
Das israelische Start-up „Redefine Meat“ gewann den Publikumspreis

Die Startups waren:

  • Agrilution aus München, ein auf „Vertical-Farming“ spezialisiertes Start-up, das Systemlösungen für Gemüse- und Kräuteranbau in weniger als einem Kubikmeter anbietet
  • Noyanum aus Garching bei München will unter Einsatz Künstlicher Intelligenz helfen,  die Lebensmittelverschwendung in Kantinen und Restaurants zu reduzieren
  • Regiothek aus Passau bietet eine Plattform, auf der kleine und lokale Läden und Betriebe gefördert werden sollen. Diese können hier zeigen, wer sie sind und was ihre Produkte einzigartig macht
  • Das kanadische Start-up Quinta hat den Wertschöpfungsprozess rund um das proteinreiche Quinoa optimiert und kann große Mengen auch auf trockenen Böden produzieren.

Gewinner war das israelische Start-up, Redefine Meat, das täuschend echt aussehendes und schmeckendes „Fleisch“ mit Hilfe rein pflanzlicher Zutaten aus 3D-Druckern produzieren möchte

Der Silbersaal im Deutschen Theater in München bot eine festliche Atmosphäre für das Dinner-Buffet
Der Silbersaal im Deutschen Theater in München bot eine festliche Atmosphäre für das Dinner-Buffet

Dinner im Silbersaal des Deutschen Theaters

Die Botschaft von Kanada war der diesjährige Partner des Global Food Summits. Gemeinsam hatten sie zum Abschluss des ersten Tages zum Dinner-Buffet in den Silbersaal des Deutschen Theaters eingeladen, bei dem ausgesuchte kanadische Spezialitäten und kanadische Weine sowie erste innovative Foodkonzepte wie Salzwasser-Garnelen vom Münchner Stadtfischer und „Steckerleis“ aus Lupinen-„Milch“ serviert wurden.

 

 

Der zweite Konferenztag am 21. März 2019

Schlachtfreie Hamburger, „Rooftop Gardening“ und neue Produktionsmethoden

Auch am zweiten Tag des Global Food Summit gab es zahlreiche spannende Vorträge. Dr. Michael Binder, Director Sustainibility Development bei Evonik Industries, erklärte beispielsweise in seinem Vortrag „Sustainable food production – Balancing goals“, wie wichtig es ist, systemisches Denken anzuwenden, wenn es darum geht, neue Food-Lösungen zu entwickeln und umzusetzen. Als Beispiel nannte er neue Aquakultursysteme für Lachse mit pflanzlich basierten Futtermitteln, die einerseits der Überfischung entgegenwirken, andererseits aber viel Energie verbrauchen.

Professor Justus Wesseler, Professor of Agricultural Economics and Rural Policy von der Wageningen Universität, referierte zum Thema urbane Landwirtschaft und stellte dabei die provozierende Frage, was von der konventionellen Landwirtschaft eigentlich noch übrig sei. Neue Produktionsmethoden überzeugen durch ihre Vorteile. Beispielsweise werden durch Vertical Farming weniger Düngemittel verbraucht als in der konventionellen Landwirtschaft. Seiner Meinung nach werden die Produkte in Zukunft stetig mehr gesellschaftlich akzeptiert und auch konsumiert werden. Und die Politik spielt dabei eine entscheidende Rolle für die zukünftige Weichenstellung.

Prof. Nannan Dong von der Tongji Universität Shanghai sprach in seinem Vortrag über die Themen “Urban Farming” und “Rooftop Gardening”. Im Jahr 2017 gab es in China 19 Städte, in denen mehr als vier Millionen Menschen leben und dazu 161 Städte mit mehr als einer Million Einwohnern. Wenn so viele Menschen auf verhältnismäßig kleinem Raum leben, steigen die Kosten für verfügbare Landflächen drastisch an. Um dem entgegenzuwirken, sollen Flächen möglichst effektiv genutzt und die Städte begrünt werden. Auch die Gesetzgebungsverfahren wurde dementsprechend angepasst, sodass von 2011 bis 2015 die Fläche vertikaler Farmen in Shanghai auf 2,62 Millionen Quadratmeter angestiegen ist.

Wir haben unsere Zeit auf dem Global Food Summit sehr genossen
Wir haben unsere Zeit auf dem Global Food Summit sehr genossen

Der CEO von Mosa Meat, Peter Verstrate berichtete den Teilnehmer*innen von der bisherigen Reise des ersten schlachtfreie Burgers. Dieser ist das Ergebnis jahrelanger Forschung an der Maastricht Universität und kostete im Jahr 2013 noch stolze 250.000 Euro das Stück. Mit Hilfe der Herstellung von Stammzellen-Fleisch soll in Zukunft die wachsende Bevölkerung auf nachhaltige, gesunde und tierfreundliche Weise ernährt werden. Für ein Burger-Patty aus konventioneller Tierhaltung werden bisher ca. 6,7 Pfund Futtermittel, 200 Liter Wasser, 74,5 Quadratmeter Land für den Futtermittelanbau und fossile Energie benötigt. Das sind große Summen, die es mit dem „künstlichen Fleisch“ zu unterbieten gilt. Momentan legt das Unternehmen seinen Fokus auf die Skalierung des Produktionsprozesses und die Markteinführung der ersten Produkte in den nächsten drei bis vier Jahren.

Insgesamt haben wir tolle Gespräche geführt, internationale Kontakte geknüpft und viele lehrreiche Vorträge gehört, aus denen wir auch einiges für unseren Alltag mitnehmen konnten.

 

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